Traumsymbol
Fisch

Traumdeutung Fisch: Was bedeutet dieser Traum?

Fisch im Traum: Fülle, eine Schwangerschaft oder etwas, das entgleitet. Wie klassische, jungianische und chinesische Traditionen den Fisch deuten.

Fische bewegen sich in einem Element, das der Träumende nicht bewohnen kann, und sie werden erst sichtbar, wenn sie nah an die Oberfläche kommen oder herausgeholt werden. Genau diese Eigenschaft — etwas ist längst da, bevor man es sieht — trägt die Deutung und erklärt, warum sehr verschiedene Traditionen den Fisch mit Fülle, Versorgung und verborgenem Potenzial verbinden statt mit Gefahr.

Fische sehen, ohne sie zu fangen. Wasser voller Fische, ohne dass der Träumende danach greift, wird meist als Bild von Möglichkeiten gelesen, die vorhanden sind und noch nicht angerührt wurden. Klares Wasser verstärkt diese Lesart, trübes rückt sie in Richtung Unsicherheit darüber, was da eigentlich schwimmt.

Einen Fisch fangen. Der Fang ist der eigentliche Moment des Traums: etwas, das lange unter der Oberfläche kreiste, ist plötzlich greifbar. Ob der Träumende den Fisch behält, zurückwirft oder verschenkt, verschiebt die Deutung stärker als seine Größe.

Ein Fisch, der entgleitet. Ein Fisch, der vom Haken rutscht oder aus den Händen gleitet, gehört zu den frustrierendsten Varianten. Er wird meist als Gelegenheit gelesen, die man gesehen, aber nicht festgehalten hat — oder als Einsicht, die im Aufwachen wieder untergeht.

Ein toter oder treibender Fisch. Ein Fisch, der bereits verdorben ist oder mit dem Bauch nach oben treibt, kehrt die Deutung um: eine Ressource, die zu spät genutzt wird, oder ein Gewinn, an dem etwas nicht stimmt.

Ein Fisch außerhalb des Wassers. Ein Fisch, der auf dem Trockenen zappelt, wird als etwas gelesen, das in der falschen Umgebung nicht überleben kann — ein Gedanke, ein Gefühl, eine Person am falschen Ort.

Ein sehr großer oder unbekannter Fisch. Große Tiefseefische wirken in der Erinnerung anders als der Fisch im Teich: unpersönlicher, älter, weniger auf den Träumenden bezogen.

Was die Deutung verschiebt. Zahl, Größe, Zustand und die Klarheit des Wassers zählen in fast allen Traditionen mehr als die Art des Fisches. Auch der Weg ist wichtig: gefangen, geschenkt, gekauft oder gefunden ergeben unterschiedliche Bilder.

Was der Fischtraum nicht bedeutet. Er sagt keinen Geldeingang voraus und kündigt keine Schwangerschaft an, auch wenn Volksüberlieferungen ihn in beide Richtungen deuten. Wer angelt, kocht oder ein Aquarium pflegt, träumt schlicht öfter von Fischen.

Sichtweisen verschiedener Traditionen

Die klassische islamische Traumdeutungstradition liest den Fisch vor allem als Versorgung, und sie achtet dabei auf Zahl, Größe und Zustand. Frischer Fisch, gefangen oder empfangen, gilt als Nahrung und Gewinn, wobei ein großer Fisch einen entsprechend größeren Anteil anzeigt. Ein Teil des klassischen Materials verbindet eine kleine Zahl von Fischen eher mit Frauen oder mit einer Heirat als mit Besitz; die Deutungen gehen hier auseinander, und es ist ehrlicher, das zu benennen, als sich für eine Lesart zu entscheiden.

Der Zustand kehrt die Deutung um: fauler, übelriechender oder toter Fisch wird als unrechtmäßiger oder verdorbener Gewinn gelesen, oder als ein Nutzen, der bereits beschädigt eintrifft. Fisch aus klarem Wasser gilt als günstiger als Fisch aus trübem, was unmittelbar an die Wasserdeutung derselben Tradition anschließt, in der die Klarheit die entscheidende Größe ist. Zusätzlich trägt das Bild in dieser Tradition einen Klang von Errettung, denn die koranische Erzählung von Yunus und dem Fisch ist jedem Leser gegenwärtig: Die Rettung kommt dort aus dem Inneren dessen, was ihn verschlungen hatte. Dass die klassischen Traumdeutungen ihre Fischlesarten aus dieser Erzählung ableiten würden, lässt sich nicht behaupten — sie ist der Resonanzraum, in dem das Bild steht, und nicht seine Herleitung.

Der Fisch gehört zu den wenigen Bildern, mit denen Jung sich selbst ausführlich beschäftigt hat: In Aion verfolgte er den Fisch als Symbol des Selbst durch seine christliche und astrologische Geschichte. Deshalb ist es hier ausnahmsweise unbedenklich, ihn namentlich zu nennen — anders als bei einer festen Traumbedeutung, die er nie vergeben hat.

Für die Traumarbeit liegt die Kraft des Bildes darin, dass der Fisch in dem Element lebt, das dem Träumenden verschlossen ist. Er gehört der Tiefe an, bewegt sich in dem Medium, das für das Unbewusste steht, und wird nur sichtbar, wenn er nah an die Oberfläche kommt oder herausgeholt wird. Einen Fisch zu fangen wird entsprechend als Einsicht gelesen, die aus der Tiefe geholt wurde: Der Inhalt, der lange außer Sicht kreiste, ist endlich gefasst. Ein Fisch, der entgleitet, ist die Einsicht, die zurücksinkt. Ein Fisch auf dem Trockenen wird als Inhalt gelesen, der in dem bewussten Element, in das er gezerrt wurde, nicht überleben kann — ein wichtiger Hinweis darauf, dass nicht alles, was aufsteigt, sofort in Sprache und Absicht übersetzt werden sollte. Große, unbekannte oder Tiefseefische tragen kollektives statt persönliches Gewicht. Eine Gleichsetzung von Fisch und Glück kennt diese Lesart nicht.

Hier liegt das bestbezeugte Wortspiel dieses ganzen Materials, und ohne es bleibt die Deutung unverständlich. Das chinesische Wort für Fisch, 鱼 (yú), klingt genauso wie das Wort für Überschuss, 余 (yú). Deshalb gehört Fisch zum Neujahrsessen, und deshalb ist die Formel, es möge Jahr für Jahr Überschuss geben, von diesem Bild nicht zu trennen. Vom Fisch zu träumen wird entsprechend als Fülle gelesen, und zwar ausdrücklich als mehr als genug und nicht bloß als Auskommen. Das Wortspiel wird nicht nur gesprochen, sondern auch geübt: Der Neujahrsfisch kommt im Ganzen auf den Tisch und wird absichtlich nicht aufgegessen, weil der Rest auf dem Teller der Überschuss des kommenden Jahres ist. Dieser Brauch ist allerdings eine kulturelle Assoziation und nicht die Lesart der Traumbücher: Ein übrig gebliebener Fisch im Traum wird dort eher auf eine Angelegenheit gelesen, die liegen bleibt, oder auf Vermögen, das ungenutzt daliegt, als auf Fülle. Beides steht nebeneinander, und der Neujahrstisch entscheidet nicht über das Register.

Lebende, schwimmende Fische gelten als Glück in Bewegung, was sich mit der volkstümlichen Lesart des Wassers als Vermögen verstärkt; tote oder treibende Fische kehren das in verlorenes Glück um. Ebenso erwartbar ist ein zweites Bild: der Karpfen, der das Drachentor überspringt und dabei selbst zum Drachen wird. Es steht für einen sprunghaften Aufstieg im Stand und ist historisch eng mit dem Erfolg in den Staatsprüfungen verknüpft, weshalb ein Karpfen im Traum in Richtung Durchbruch nach langer Mühe gelesen wird. Die Alltagswendung, jemand sei wie ein Fisch im Wasser, liefert die weitere Lesart, endlich am richtigen Platz zu sein. Aus der Umgangssprache und nicht aus dem Traumbuch stammt die Redensart vom Salzfisch, der sich umdreht — sie ist im Volksmund seit Langem im Umlauf und wird gern für eine Wendung des Schicksals geborgt, gesagt von jemandem, den alle abgeschrieben hatten und der unerwartet wieder hochkommt. Es handelt sich insgesamt um Volksüberlieferung, nicht um eine gelehrte Systematik.

Nachzutragen ist das Handbuchregister, das die Deutung an den Zustand des Fisches bindet. Die volkstümlichen Traumbücher geben Lesarten dieser Form: Einen Fisch zu sehen kündigt an, dass alle Angelegenheiten glatt laufen; einen großen Fisch, dass ein Gönner eintritt — gemeint ist damit im Chinesischen beides, ein Mensch von hohem Stand und einer, der schlicht hilfreich zur Hand geht; einen lebenden Fisch Zugewinn an Vermögen; einen toten Fisch Verlust und Unglück. Das ist knapper und gerichteter als die Rede vom Glück in Bewegung: Nicht die Bewegung entscheidet dort, sondern ob der Fisch lebt. Der große Fisch ist außerdem der einzige Eintrag, in dem die Deutung nicht auf Geld, sondern auf einen Menschen zielt.

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