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Klarträume: im Traum wissen, dass man träumt

Klarträume: im Traum wissen, dass man träumt

Wie Klarträume im Labor nachgewiesen wurden, wie verbreitet sie sind und was von den gängigen Induktionsmethoden nach heutigem Stand belegt ist.

Das Wichtigste in Kürze
  • Keith Hearne und, unabhängig davon, Stephen LaBerge wiesen Klarträume über vorher vereinbarte Augenbewegungen im gesicherten REM-Schlaf nach.
  • Die Augenmuskulatur ist von der REM-Lähmung ausgenommen und dient deshalb als Signalkanal.
  • Etwa die Hälfte der Menschen berichtet von mindestens einem Klartraum; häufige Klarheit ist deutlich seltener.
  • Induktionsmethoden wie Realitätsprüfungen, Wake-back-to-bed und MILD haben uneinheitliche Belege.
  • 2021 wurde eine Verständigung in beide Richtungen mit Klarträumenden während des Schlafs demonstriert.

Ein Klartraum ist ein Traum, in dem der Träumende bemerkt, dass er träumt — und zwar während er noch schläft. Das Erlebnis reicht von einem kurzen Aufblitzen dieser Einsicht bis hin zu Träumen, in denen die Person die Szene bewusst mitgestaltet. Lange galt das als reiner Erfahrungsbericht, den niemand überprüfen konnte: Wie will jemand belegen, dass er in einem Traum bei klarem Verstand war?

Der Nachweis kam über die Augen. Die Lösung nutzte eine Eigenheit des REM-Schlafs. Während die willkürliche Muskulatur in dieser Phase weitgehend gelähmt ist, bleiben die Augenmuskeln beweglich — sie sind der einzige Kanal, der aus dem Traum hinausführt. Keith Hearne und, unabhängig davon, Stephen LaBerge ließen erfahrene Klarträumer vorher eine Zeichenfolge vereinbaren, etwa eine bestimmte Abfolge von Blicken nach links und rechts, und diese ausführen, sobald sie im Traum die Klarheit erlangten. Die Signale erschienen in der Aufzeichnung genau dort, wo sie hingehörten: mitten im gesicherten REM-Schlaf. Damit war der Klartraum als messbares Phänomen etabliert und nicht länger ein Erlebnisbericht ohne Prüfmöglichkeit.

Wie verbreitet ist das? Ungefähr die Hälfte der Menschen berichtet, mindestens einmal im Leben einen Klartraum gehabt zu haben. Regelmäßige Klarheit ist wesentlich seltener — nur ein kleiner Teil erlebt sie häufig. Bei Kindern und Jugendlichen kommen Klarträume häufiger vor als bei Erwachsenen, und die Fähigkeit scheint mit der Traumerinnerung insgesamt zusammenzuhängen: Wer sich ohnehin gut an Träume erinnert, erlebt eher Klarheit.

Die Methoden zur Herbeiführung sind unterschiedlich gut belegt. Verbreitet sind vor allem drei. Realitätsprüfungen bestehen darin, sich tagsüber wiederholt zu fragen, ob man wach ist, und das an einem Test festzumachen — die Idee ist, dass diese Gewohnheit in den Traum übergeht. Die Wake-back-to-bed-Technik nutzt die Tatsache, dass gegen Morgen lange REM-Phasen anstehen: Man wacht nach einigen Stunden kurz auf und legt sich nach einer wachen Pause wieder hin. Die MILD-Methode arbeitet mit einer Absicht, die vor dem erneuten Einschlafen formuliert und mit dem Vorsatz verbunden wird, im nächsten Traum die Klarheit zu bemerken. Untersuchungen dazu gibt es, doch die Ergebnisse sind uneinheitlich, die Stichproben oft klein und die Erfolgsquoten schwanken erheblich. Am ehesten belegt ist die Kombination aus einer Unterbrechung gegen Morgen und einem klar gefassten Vorsatz; verlässlich planbar ist ein Klartraum damit trotzdem nicht.

Das Gespräch mit einem Schlafenden. 2021 machten Forschungsgruppen einen weiteren Schritt und zeigten in koordinierten Experimenten, dass eine Verständigung in beide Richtungen möglich ist: Schlafenden wurden während eines Klartraums Fragen gestellt — gesprochen, als Ton oder als Reizmuster —, und sie antworteten über vereinbarte Augen- oder Gesichtsmuskelsignale, darunter auf einfache Rechenaufgaben. Nicht jeder Versuch gelang, und die Trefferquote war weit von hundert Prozent entfernt. Als Machbarkeitsnachweis war das dennoch bemerkenswert: Es zeigte, dass ein schlafender Mensch eine Information von außen aufnehmen, verarbeiten und beantworten kann.

Praktisch reizt viele an Klarträumen die Aussicht, im Traum fliegen oder eine belastende Szene umschreiben zu können. Für den zweiten Punkt gibt es tatsächlich Ansätze in der Arbeit mit wiederkehrenden Albträumen, allerdings ist die Studienlage dünn und die etablierte Behandlung eine andere — siehe dazu den Text über Albträume. Häufig berichtet wird zudem eine praktische Hürde: Die Klarheit ist meist flüchtig, und die aufkommende Aufregung beendet den Traum, statt ihn zu vertiefen.

Ein Einwand sollte nicht unterschlagen werden: Techniken, die den Schlaf gezielt unterbrechen, kosten Schlafzeit. Wer ohnehin zu wenig oder unruhig schläft, tauscht damit ein knappes Gut gegen ein Erlebnis ein. Für gelegentliches Ausprobieren ist das unproblematisch, als nächtliche Dauerpraxis eher nicht.

Häufige Fragen

Was ist ein Klartraum?
Ein Traum, in dem die träumende Person währenddessen bemerkt, dass sie träumt. Das reicht von einem kurzen Aufblitzen dieser Einsicht bis zur bewussten Mitgestaltung der Traumszene.
Kann man Klarträume lernen?
Bis zu einem gewissen Grad. Realitätsprüfungen, das kurze Aufwachen gegen Morgen und ein vor dem Wiedereinschlafen gefasster Vorsatz erhöhen die Wahrscheinlichkeit, doch die Studienlage ist uneinheitlich und ein Erfolg nicht planbar.
Wie viele Menschen haben Klarträume?
Etwa die Hälfte berichtet von mindestens einem im Leben. Regelmäßige Klarträume erlebt nur ein kleiner Teil, bei Kindern und Jugendlichen kommen sie häufiger vor.
Sind Klarträume gefährlich?
Der Klartraum selbst gilt als unbedenklich. Zu bedenken ist eher, dass Techniken mit gezielter nächtlicher Unterbrechung Schlafzeit kosten — bei ohnehin knappem oder unruhigem Schlaf kein guter Tausch.

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Persönliche Deutung erhalten

Worauf das beruht

  • Keith Hearnes und Stephen LaBerges Nachweis von Klarträumen über Augenbewegungssignale
  • Untersuchungen zur Verbreitung von Klarträumen in der Allgemeinbevölkerung
  • Die 2021 veröffentlichten Experimente zur Zweiwegkommunikation mit Klarträumenden

Dieser Artikel dient nur der Information und ersetzt keine ärztliche Beratung.