
Traumdeutung Verzweiflung: Was bedeutet dieser belastende Traum?
Verzweiflung im Traum kann verdrängten Kummer sichtbar machen. So deuten klassische, jungianische und chinesische Traditionen dieses Gefühl.
Somnovis-Redaktion
Verzweiflung als Grundstimmung eines Traums ist eines der belastendsten Gefühle, die ein Traum vermitteln kann – ein Zustand, in dem jeder Ausweg im Traum bereits verschlossen erscheint, noch bevor überhaupt versucht wurde, ihn zu finden. Anders als Angst, die sich auf eine konkrete Bedrohung richtet, betrifft Verzweiflung das Gefühl, dass gar keine Bedrohung mehr nötig ist, weil bereits alles verloren scheint.
Verzweiflung, die im Traum überwunden wird. Findet die Träumende im Traum trotz anfänglicher Verzweiflung doch noch einen Ausweg oder eine helfende Person, deutet das häufig darauf hin, dass die Psyche gerade daran arbeitet, eine als aussichtslos empfundene Lage neu zu bewerten und tatsächlich vorhandene Ressourcen wieder sichtbar zu machen.
Anhaltende Verzweiflung ohne jede Erleichterung. Bleibt die Verzweiflung im Traum durchgängig ohne jede Erleichterung bestehen, kann das ein Hinweis darauf sein, dass eine reale Belastung im Wachleben die Träumende stärker erschöpft, als sie sich bewusst eingesteht, und ernst genommen werden sollte.
Sichtweisen verschiedener Traditionen
In der klassischen Traumdeutung wird ein Zustand tiefer Verzweiflung im Traum meist als vorübergehende Prüfung gelesen, wobei ausdrücklich betont wird, dass auf große Bedrängnis im Traum häufig eine ebenso deutliche Erleichterung im weiteren Verlauf folgt.
Aus jungianischer Sicht kann ein Traum voller Verzweiflung als Konfrontation mit dem eigenen Schatten gelesen werden – ein notwendiger, wenn auch schmerzhafter Schritt, bevor eine tiefere Wandlung der Persönlichkeit überhaupt möglich wird.
In der chinesischen Volkstradition wird ein Traum voller Verzweiflung oder lautem Weinen häufig gegensätzlich gedeutet, als Vorzeichen für bevorstehende Freude – eine Umkehrung, die sich in vielen Facetten dieser volkstümlichen Traumdeutung wiederfindet.
Quellen
Die Abschnitte zu den Traditionen stützen sich auf diese Werke. Das heißt nicht, dass jeder Satz ein Zitat daraus ist. Die Verfasserschaft der Ibn Sirin zugeschriebenen Traumschrift ist umstritten. Das chinesische Traumbuch wird nur sinngemäß wiedergegeben, weil der Wortlaut je nach Fassung abweicht; Ausgabe, Kapitel und Datum werden nicht genannt.
- Artemidorus of Daldis, Oneirocritica (2nd century).
- Muntakhab al-Kalām fī Tafsīr al-Aḥlām, the dream book attributed to Ibn Sirin.
- Zhou Gong Jie Meng (周公解梦).
- C. G. Jung, Man and His Symbols (1964), and the Collected Works.
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