
Traumdeutung Doppelgänger: Was bedeutet der Traum?
Was es bedeutet, von seinem eigenen Doppelgänger zu träumen: Schattenseite, gespaltene Identität und ein Begriff mit deutschen Wurzeln.
Somnovis-Redaktion
Der Begriff „Doppelgänger" stammt selbst aus dem Deutschen und bezeichnete ursprünglich in der Volkssage ein unheilvolles Omen: das eigene Ebenbild zu sehen, galt als Vorzeichen von Krankheit oder nahendem Tod. In der modernen Traumdeutung wird das Motiv meist entschärft, bleibt aber ein besonders eindringliches Bild für einen inneren Bruch zwischen dem, wie man sich sieht, und dem, was man eigentlich ist.
Dem eigenen Doppelgänger begegnen und mit ihm sprechen. Diese Konfrontation wird häufig als Chance gedeutet, einen abgespaltenen oder verdrängten Teil der eigenen Persönlichkeit bewusst wahrzunehmen – ein Aspekt des Selbst, der im Wachleben bislang keinen Platz hatte.
Der Doppelgänger übernimmt das eigene Leben. Beobachtet der Träumer hilflos, wie das Double seinen Platz einnimmt, deutet das oft auf die Angst hin, die eigene Identität an eine erwartete Rolle oder an fremde Ansprüche zu verlieren, ohne dagegen etwas ausrichten zu können.
Sichtweisen verschiedener Traditionen
Da das Motiv des Doppelgängers vor allem in der europäischen Volkssage verwurzelt ist, besitzt es keine eigene klassische islamische Deutung; ein solcher Traum wird in der Tradition meist allgemeiner über das Sehen des eigenen Spiegelbilds gelesen, das häufig als Hinweis auf den eigenen Charakter und Ruf gilt.
In jungianischer Lesart ist der Doppelgänger ein besonders unmittelbares Bild des Schattens – jenes Teils der Persönlichkeit, der bewusst verdrängt wird, aber gerade durch seine Ähnlichkeit mit dem Ich besonders schwer zu ignorieren ist, sobald er im Traum leibhaftig auftritt.
In der chinesischen Volksdeutung gilt die eigene Doppelgestalt im Traum traditionell als unruhiges Omen, das auf eine gespaltene Seele oder einen inneren Konflikt hindeutet, der Ruhe und Klarheit erfordert, bevor er sich von selbst löst.
Quellen
Die Abschnitte zu den Traditionen stützen sich auf diese Werke. Das heißt nicht, dass jeder Satz ein Zitat daraus ist. Die Verfasserschaft der Ibn Sirin zugeschriebenen Traumschrift ist umstritten. Das chinesische Traumbuch wird nur sinngemäß wiedergegeben, weil der Wortlaut je nach Fassung abweicht; Ausgabe, Kapitel und Datum werden nicht genannt.
- Artemidorus of Daldis, Oneirocritica (2nd century).
- Muntakhab al-Kalām fī Tafsīr al-Aḥlām, the dream book attributed to Ibn Sirin.
- Zhou Gong Jie Meng (周公解梦).
- C. G. Jung, Man and His Symbols (1964), and the Collected Works.
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