
Versetzt werden im Traum: Bedeutung und Deutung
Was es bedeutet, im Traum vergeblich auf jemanden zu warten, der nicht erscheint, und wie unterschiedliche Traditionen dieses Motiv deuten.
Im Traum versetzt zu werden, folgt einem sehr klaren Muster: ein vereinbarter Ort, eine wartende Uhr, und eine Person, die einfach nicht erscheint. Das Gefühl, das dabei entsteht, reicht von leiser Kränkung bis zu offener Verzweiflung, je nachdem, wie wichtig die erwartete Person dem Träumenden ist.
Der Träumende wartet an einem vereinbarten Ort auf eine wichtige Person, die einfach nicht kommt, ohne dass eine Erklärung folgt. Dieses Motiv wird meist als Ausdruck einer im Wachleben empfundenen Unsicherheit über den Stellenwert gelesen, den der Träumende in einer bestimmten Beziehung tatsächlich einnimmt.
Der Träumende gibt das Warten irgendwann gelassen auf und geht seiner Wege, ohne dass die Enttäuschung ihn lange beschäftigt. Dieses Motiv deutet eher auf eine wachsende innere Unabhängigkeit von der Zustimmung oder Verlässlichkeit einer bestimmten Person hin, die dem Träumenden im Wachleben zunehmend gelingt.
Sichtweisen verschiedener Traditionen
Da dieses konkrete Szenario in den klassischen Texten nicht behandelt wird, deuten Ausleger vergebliches Warten auf eine Person im Traum meist als Hinweis auf ein Versprechen, dessen Erfüllung sich verzögert, ohne dass daraus zwangsläufig ein dauerhafter Schaden entsteht.
In der analytischen Psychologie kann das Versetztwerden im Traum auf ein tieferliegendes Gefühl von Vernachlässigung hinweisen, das nicht zwangsläufig mit der betreffenden Person selbst zu tun hat, sondern mit dem eigenen Bedürfnis nach Verlässlichkeit im Allgemeinen.
In der chinesischen Volkstradition wird ein gebrochenes Versprechen im Traum häufig als Mahnung gedeutet, die eigenen Zusagen gegenüber anderen besonders zuverlässig einzuhalten, damit das eigene Ansehen keinen Schaden nimmt.