Traumsymbol

Tagebuch im Traum: Bedeutung und Deutung

Was es bedeutet, im Traum ein Tagebuch zu schreiben oder ein fremdes zu lesen, und wie unterschiedliche Traditionen dieses Motiv deuten.

Ein Tagebuch hält im Traum genau das fest, was der Träumende sich selbst manchmal nicht laut zugesteht – anders als ein Gespräch verlangt es keine Antwort und kein Publikum, weshalb es im Traum oft der Ort ist, an dem eine sonst unterdrückte Wahrheit zum ersten Mal Worte findet.

Der Träumende schreibt im Traum in ein Tagebuch Dinge nieder, die er im Wachleben niemandem sagen würde, und fühlt sich dabei eigenartig erleichtert. Dieses Motiv liest sich meist als Zeichen eines im Wachleben tatsächlich bestehenden Bedürfnisses, eine bestimmte Wahrheit oder ein Gefühl endlich in eine Form zu bringen, auch ohne dass jemand anderes sie zu Gesicht bekommt.

Eine andere Person liest im Traum heimlich das Tagebuch des Träumenden, der die Entdeckung erst zu spät bemerkt. Dieses Motiv deutet eher auf die Angst hin, im Wachleben ein sorgfältig gehütetes Geheimnis oder eine verletzliche Seite der eigenen Person unfreiwillig preiszugeben.

Sichtweisen verschiedener Traditionen

Klassische Auslegungen verbinden das Schreiben im Traum häufig mit dem Festhalten eines Vorhabens oder einer Absicht, sodass ein Tagebuch als Ort gelesen wird, an dem sich die wahren Beweggründe des Träumenden bald deutlicher zeigen werden.

In der analytischen Psychologie kann das Tagebuch im Traum einen Dialog mit dem eigenen Unbewussten darstellen, bei dem verdrängte Gedanken erstmals eine Form finden, die der bewussten Reflexion zugänglich wird.

In der chinesischen Volkstradition wird das heimliche Lesen fremder Aufzeichnungen im Traum manchmal als Warnung vor Klatsch oder einer Vertrauensperson gedeutet, die die eigenen Angelegenheiten nicht ausreichend für sich behält.